Fern
Hier (I)
Hier (II)
Abraumhalde

                                                                                                                  Für Fio

                                                                                                                  Bernhard Theobald


Sinn

 

Immer mal wieder zum Beispiel

ein Raunen im Muschelkalk meiner Knochen,

ein warmer Geschmack auf der Zunge,

ein halber Herzschlag weniger,

ein samtiges Kalottenschmiegen des Hirns,

ein blaues Ziehen im Bauch,

ein Prickeln hinterm Auge,

ein Sonnengleißen über den Lungen,

ein Gehobensein aus meiner Haut

– wenn ich an einen anderen Menschen denke, einen.

                                                                                               (2009 im August)



Fernbeziehung

 

Gehüllt in den Pfirsichpelz warmferner Haut.

Ein Tag glatten Wassers vertröpfelte träge,

kein Plätschern, kein Gurgeln, kein Ton wurde laut.

Doch jetzt spielt ein Traum auf der blauschwarzen Säge

 

der Nacht, und er tanzt beim Granatapfelbaum

zu Klängen, aus denen Kometen aufblinken.

Von fern, auf dem Pferd mit dem Gischtlitzenzaum,

kommt brandungssanft-bläulich der Reiter zum Trinken.

 

Ein Schluck meiner Lippen rinnt ihm in den Mund:

Geschmack blauer Lust, verzauberte Zungen –

ich trinke und trinke mich sehnsuchtswund

 

am Wein seiner Lippen, der warmfernen Haut

– Erinnrung drückt schwer und süß auf die Lungen;

ein Sehnen, das unter dem Augenlid blaut.

                                             (1997 im Mai)




Fio (Versuch 1 von ∞)


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     (12.01.2011)